Die richtige Sitzhöhe ist ein zentraler Faktor für gesundes, ergonomisches Arbeiten – unabhängig davon, ob im professionellen Umfeld oder im privaten Bereich. Gerade bei mobilen Sitzmöbeln wie Rollhockern, die in Arztpraxen, Laboren, Friseursalons, Werkstätten, Industrie, Kosmetikstudios oder Büros eingesetzt werden, treffen normative Vorgaben und individuelle körperliche Voraussetzungen direkt aufeinander.
Dieser Beitrag zeigt, welche Normen und Vorschriften in den unterschiedlichen beruflichen Einsatzbereichen gelten – und warum es trotz aller Standards immer auf die individuelle Abstimmung zwischen Mensch, Tätigkeit und Sitzmöbel ankommt.
Normen und Vorschriften: Orientierung für sichere und ergonomische Arbeitsplätze
Für nahezu jeden beruflichen Einsatzbereich existieren Normen, Richtlinien und gesetzliche Vorgaben, die Mindestanforderungen an Ergonomie, Sicherheit und Gesundheitsschutz definieren. Sie geben verlässliche Orientierungswerte vor, ersetzen jedoch nicht die individuelle Anpassung.
Wichtige Grundregel: Es gibt keine universelle Sitzhöhe. Die optimale Sitzposition ergibt sich immer aus dem Zusammenspiel von Arbeitshöhe, Tätigkeit und Körpermaßen.
Arbeitshöhen nach Norm – Grundlage für die richtige Sitzhöhe
Die Höhe der Arbeitsfläche ist der wichtigste Bezugspunkt für die Wahl der passenden Sitzhöhe. Unterschiedliche Branchen bringen dabei sehr unterschiedliche Anforderungen mit sich.
Die Norm DIN EN 527 definiert Maße für Büroarbeitstische:
- Feste Tischhöhen: 74–76 cm
- Höhenverstellbare Tische: 65–85 cm (oft bis 125 cm empfohlen)
Diese Maße bilden die Basis für die Auslegung von Bürostühlen und Rollhockern im Office-Bereich.
Quelle zum Nachlesen: DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“ (Juli 2019, mit Verweisen auf DIN EN 527): https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/409/bildschirm-und-bueroarbeitsplaetze-leitfaden-fuer-die-gestaltung (Direkt-Download-PDF über die DGUV-Seite verfügbar)
In Laboren, Werkstätten und technischen Arbeitsumgebungen liegen typische Arbeitshöhen deutlich höher:
- ca. 90–110 cm, abhängig von Tätigkeit, Präzisionsgrad und Körpergröße
Diese Höhen ermöglichen kraftsparendes Arbeiten, sichere Bewegungsabläufe und präzise Handarbeit.
Quelle zum Nachlesen: DGUV Information 209-098 „Mensch und Arbeitsplatz – Wegweiser ergonomische Arbeitsgestaltung“ (aktuelle Ausgabe 2025): https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/5025/dguv-information-209-098 (Überblick zu ergonomischer Gestaltung inkl. Arbeitshöhen; Suche auf publikationen.dguv.de nach „ergonomische Gestaltung“ für weitere Branchenpublikationen)
In Küchen, Verkaufstheken und Servicebereichen bewegen sich Arbeitsflächen meist zwischen 90 und 94 cm. Dabei gilt:
- Schneid- und Präzisionsarbeiten → etwas niedrigere Höhen
- Koch-, Rühr- und Servicetätigkeiten → etwas höhere Höhen
Auch hier ist die individuelle Anpassung entscheidend für ermüdungsfreies Arbeiten.
(Keine spezifische Norm-Quelle notwendig; Empfehlungen basieren auf allgemeinen DGUV-Ergonomie-Richtlinien.)
Normen für Sitzhöhe und Sitzmöbel
Neben der Arbeitshöhe definieren verschiedene Normen die Anforderungen an Sitzmöbel selbst.
- Sitzhöhe: 40–52 cm
- Mindest-Verstellbereich: 130 mm
Ziel: ergonomische Anpassung an unterschiedliche Körpergrößen.
Quelle zum Nachlesen: DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“ (mit Verweisen auf DIN EN 1335): https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/409/bildschirm-und-bueroarbeitsplaetze-leitfaden-fuer-die-gestaltung
Diese Norm regelt höhenverstellbare, drehbare Industrie-Arbeitsstühle (einschließlich vieler Rollhocker) für anspruchsvolle gewerbliche Bereiche wie Industrie, Produktion, Montage, Handwerk, Labore, Reinräume, Medizin und ESD-geschützte Arbeitsplätze.
Die Norm ist in zwei Teile gegliedert (aktuelle Fassungen: DIN 68877-1:2020-11 und DIN 68877-2):
- Höhenverstellbarkeit (meist per Gasfeder) – flexibel für Arbeitshöhen ca. 60–120 cm
- Standsicherheit (hohe Kippsicherheit, oft 5-armiges Fußkreuz)
- Rollen und Gleiter (bodenschonend, ggf. ESD-leitfähig)
- Belastbarkeit (oft 120–150 kg oder mehr, für Mehrschichtbetrieb)
- Zusätzliche Anforderungen (z. B. Fußring bei höheren Sitzhöhen)
DIN 68877 gilt als anerkannte Regel der Technik für robuste Einsätze.
Quelle zum Nachlesen: DGUV Information 209-098 „Mensch und Arbeitsplatz – Wegweiser ergonomische Arbeitsgestaltung“ (Verweise auf Industrie-Arbeitsstühle): https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/5025/dguv-information-209-098 (Weitere Infos in DGUV-Publikationen zu Branchen wie Metall- oder Holzindustrie)
Diese internationale Norm beschreibt ergonomische Anforderungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, insbesondere:
- Sitzhaltung
- Körperwinkel
- Verhältnis von Körpermaßen zu Arbeitsflächen
Quelle zum Nachlesen: DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“ (mit Verweisen auf DIN EN ISO 9241): https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/409/bildschirm-und-bueroarbeitsplaetze-leitfaden-fuer-die-gestaltung
Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet Arbeitgeber dazu, Arbeitsplätze ergonomisch zu gestalten und gesundheitliche Gefährdungen zu vermeiden. Die ASR A1.2 konkretisiert diese Anforderungen.
Quellen zum Nachlesen:
Norm trifft Mensch: Warum individuelle Anpassung entscheidend ist
So wichtig Normen und Vorschriften auch sind – sie liefern Orientierungswerte, keine starren Vorgaben. In der Praxis entscheidet immer die individuelle Abstimmung zwischen Rollhocker und Nutzer über Komfort, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Dabei spielen zahlreiche körperliche Faktoren eine Rolle:
- Körpergröße
- Körpergewicht
- Körperbau
- Beinlänge
- Beckenform
- Wirbelsäulenstatik
- Gelenkstellung
- Muskulatur
Auch das Skelettsystem – also die individuelle Ausprägung von Wirbelsäule, Becken und Beinachsen – beeinflusst die optimale Sitzhöhe erheblich.
Genau wie im privaten Bereich gilt daher auch im beruflichen Umfeld: Der Mensch gibt die Maße vor – nicht allein der Einsatzort.
Ergonomische Grundprinzipien für die richtige Sitzhöhe
Unabhängig vom Einsatzbereich sollten folgende ergonomische Kriterien erfüllt sein:
- Füße stehen stabil auf dem Boden oder auf einem Fußring
- Knie- und Hüftwinkel: ca. 90–110°
- Oberschenkel waagerecht bis leicht nach vorne geneigt
- Becken leicht nach vorne gekippt
- Aufrechter Oberkörper mit entspannter Schulterhaltung
Diese Haltung sorgt für:
- Entlastung der Bandscheiben
- Bessere Durchblutung
- Geringere Muskelspannung
- Höhere Konzentrationsfähigkeit
- Geringere Ermüdung
Ist das Arbeiten in Höhen erforderlich, die eine solche Haltung nicht erlauben, helfen Lösungen wie der Fußring oder externe Fußstützen beim Abstellen der Füße. Oftmals ist es auch sinnvoll, regelmäßige Haltungswechsel vorzunehmen und den Hocker wechselweise als Sitzmöbel und als Stehhilfe zu nutzen. Ein großer Höhenverstellbereich ist hier besonders von Vorteil.
Rollhocker als individuelle Ergonomie-Lösung
Rollhocker sind besonders flexibel, da sie große Sitzhöhenbereiche abdecken – typischerweise von ca. 36 bis 90 cm. Damit lassen sie sich an sehr unterschiedliche Arbeitsumgebungen und Körpermaße anpassen.
Je höher die Arbeitsfläche, desto größer muss der Verstellbereich der Gasfeder sein. Gleichzeitig spielen Sitzform, Polsterung, Fußkreuz und Rollen eine wichtige Rolle für Stabilität, Beweglichkeit und Komfort.
Vielseitige Nutzungsmöglichkeiten unterstützen Haltungswechsel (Sitzen, Stehhilfe) und beugen Schonhaltungen vor.
Das modulare Rollhocker-System von Rollbursche
Mit dem Baukastensystem von Rollbursche lässt sich jeder Rollhocker exakt auf Einsatzbereich und Nutzer abstimmen:
Gasfeder – bestimmt den Sitzhöhenbereich
- 36–45 cm: Bodennahe Tätigkeiten, Kosmetik, Fußpflege
- 45–55 cm: Praxis, Büro, Behandlungsräume
- 55–75 cm: Labor, Werkstatt, Thekenarbeitsplätze
Sitzfläche – Komfort & Ergonomie
Unterschiedliche Formen, Polsterhärten und Bezüge ermöglichen nicht nur eine optimale Anpassung an Körperbau, Sitzdauer und Tätigkeit. Durch die unterschiedlichen Sitzformen und Konturen ändern sich auch hier die Sitzhöhen um einige Zentimeter.
Fußkreuz – Stabilität & Standfestigkeit
Durchmesser und Bauform beeinflussen sowohl die Kippsicherheit als auch die Sitzhöhe.
Rollen – angepasst an den Boden
Weiche Rollen für harte Böden, harte Rollen für Teppich – unterschiedliche Rollengrößen wirken sich zudem leicht auf die Gesamtsitzhöhe aus.
Fazit
Normen und Vorschriften liefern wichtige Leitplanken für ergonomisches Arbeiten. Doch erst die individuelle Anpassung an Körperbau, Größe, Gewicht, Skelettstruktur und Arbeitsaufgabe macht aus einem Rollhocker ein wirklich gesundes und sinnhaftes Sitzmöbel.
Mit einem modular aufgebauten Rollhocker lässt sich diese Anpassung präzise umsetzen – für mehr Komfort, bessere Haltung und langfristige Gesundheit im Arbeitsalltag und privatem Umfeld.